Man glaubt, Aquatinta oder Lithographie vor sich zu haben, aber es handelt sich um raffiniert ausgeführte Tintezeichnungen, die auf den ersten Blick wie Fotonegative wirken, wie zeugnishafte Grabtücher. Erst nach und nach erkennt man in „Die nackte Hure Babylon“ den Rückenakt mit ausgebreiteten Schenkeln und Armen, die große Verführerin, von Macht und Geld abhängig, allegorisch die Stadt verkörpernd.
Tuschezeichnungen in patentiertem Verfahren auf Leinwand „gemalt“ als Reminiszenz an den Golfkrieg lenkt den Blick auf dokumentenähnliche „Actionfotos“, digitalisiert, grob gerastert, schemenhaft infernal, ganz nah am Geschehen – in der Farbe aber distanziert Grün und Blau wie in einem Röntgenbild, ganz unpersönlich fern. Nah an der Realität der Bomberkamera gemalte Visionen. Es ist das helle Licht, das aus allen Bildern aufscheint und sie wiederum verschleiert.
Uli Seidler
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