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Was ist Supersonic?
Supersonic ist eine Serie von Bildern, die während der Jahre 1993-1997 geschaffen wurden. Die Idee zu diesem Zyklus entstand jedoch am 16. Januar 1991, als George H.W. Bush in einer Fernsehsendung den Beginn des Krieges im Irak ankündigte und erste Luftangriffe geflogen wurden. Damals war Gassmann in seiner Arbeit mit dem Thema der Apokalypse (Offenbarung des Johannes) beschäftigt.
Am 16. Januar malte er gerade die Trompeten der Erzengel - jene Instrumente, mit denen das Ende der Geschichte und der Zeit angekündigt wurde. Seine Vorstellungskraft wurde angeregt von diesen Umständen sowie auch von nachdenklichen Bildern und Meinungen, die darauf hinausliefen, dass die bestehende Ordnung plötzlich umgestürzt wurde und vor dem Zusammenbruch stand.
Die Schwarz-Weiß-Darstellung des Kuwait-Konflikts mit einer deutlichen und tief greifenden Trennungslinie zwischen gut und böse erinnerte ihn irgendwie an die Redeweise in der Offenbarung des Johannes. Da er sich ausschließlich auf die Beschreibung im biblischen Text stützte, beschloss er, seine persönliche Interpretation nicht in die Apokalypse einzubeziehen. Der Golfkrieg wurde zur Inspiration für einen neuen Zyklus.
Im Jahr 1992/1993 begab Gassmann sich in die Welt der militärischen Maschinerie und konzentrierte sich auf Düsenflugzeuge der US-Luftwaffe. Er wurde besonders aufmerksam auf eine Art von Kriegführung gleichsam aus dem Sitzungszimmer heraus mit besonderem Schwergewicht auf Luftangriffe, die so geplant wurden, dass sie wie ein Uhrwerk funktionierten.
Nie zuvor war eine so präzise Zerstörung vom Himmel herabgeregnet. Wie die Welt es im Fernsehen beobachtete, war die Allmacht der elektronischen Kriegführung von Anfang bis Ende einer der Höhepunkte des Krieges. Mit angemessener Unterstützung und intelligenter Anwendung kämpften die Streitkräfte auf geradezu spektakuläre Weise.
Von den Medien wurden über den Bildschirm grünlich leuchtende Videos ausgestrahlt, die die Sichtweise von Piloten in Überschallflugzeugen darstellten. Fernsehberichte vom Schauplatz konzentrierten sich auf mit "X" markierte Prioritätsziele und entsprachen so den Erwartungen, dass der Krieg rasch und eindeutig und mit wenigen Opfern gewonnen würde. Die mit Piloten geführten Interviews erfüllten dieselben Erwartungen.
Diejenigen, die für diese Mission sorgfältig ausgesucht wurden, verkörperten die traditionellen Werte von Ehre, Mut, patriotischem Einsatz und Loyalität. Jede Darstellung vermittelte einen lebendigen Eindruck einer militärischen Aktion mit Gespür für menschliches Heldentum: "Wir sind einfach hier, um unsere Arbeit zu tun." Zerstörung und klaustrophobische Erfahrungen kamen in diesen Erzählungen nicht vor.
Gassmann beschloss, nach San Diego zu gehen, um dort Piloten der Luftwaffe zu treffen. Er wollte unbedingt selbst herausfinden, in welcher Verfassung diese Menschen waren, die einerseits ganz am Kriegsgeschehen beteiligt und andererseits vom Schrecken der Wirklichkeit auf dem Erdboden völlig distanzieret waren. Was diese Erforschung erbrachte, kommt in der "Supersonic" Bilderreihe zum Ausdruck. Gassmann benutzte als Arbeitstitel "TOP GUN", einen Ausdruck, der auch eine Verbindung mit einem Film von Tony Scott herstellt, der in einem Ausbildungszentrum für Top-Piloten der US-Marine spielt.
Gassmann verarbeitete die visuellen Eindrücke der Überschallflüge auf 180 Leinwänden. Mit einer besonderen Tintentuschtechnik und einer eindruckvollen Verwendung von Licht und Schatten schuf er eine halb-reale und halb-imaginäre Welt und erfasste damit beides: die seltsame Schönheit und die Bedrohlichkeit schwebender Formen.
Gassmanns Arbeit ist bekannt wegen seiner Intensität. Sein besonderes Gefühl für Atmosphäre führte zu einem außergewöhnlichen Eindringen in das Persönliche des Raums mit einer fast kosmischen Tiefe. Es trug auch dazu bei, einen Menschen in seiner Beziehung zu seiner Umwelt zu verstehen. Die verschwommenen Bilder von Flugzeugen geben nicht nur einen Eindruck von der ungeheuren Geschwindigkeit und Luftzirkulation um die Objekte. Sie lassen auch den Unterschied zwischen Fernsicht und scharfer Nahsicht erahnen, wie diese von Piloten in Überschallflugzeugen erfahren werden.
Ohne journalistisch oder illustrativ vorzugehen, ist es Gassmann gelungen, auf diesen Leinwänden eine große Faszination für die himmelhohe Perspektive und die Dunkelheit des High-Tech-Krieges gegenüberzustellen. Als objektiver und zugleich bewusst wahrnehmender Beobachter war er daran interessiert, eher nach der Kraft der Vision zu trachten als menschliche Instinkte aufzuzeigen. Die Aufgabe der Beurteilung des Geschehens bleibt den Betrachtern überlassen.
Die Vernissage fand 1993 in Hannover in der Galerie Borkowski statt. Für diese Ausstellung stellte der Komponist Ecki Stieg einen MC-Audiobegleiter bestehend aus Pilotstimmen, Fluggeräuschen und Musik zusammen. Der Zyklus wurde seitdem im Kunstverein Celle, Diözesanmuseum Rottenburg sowie in Hannoversch-Münden gezeigt.
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